Bienenbüttel
Bienenbüttel ist auf der Uelzener Kreiskarte „ganz oben“ an der Grenze zum Landkreis Lüneburg zu finden und zwar dort, wo sich die Ilmenau und die Bahntrasse Hannover - Hamburg kreuzen. Am Ort vorbei führt die Bundesstraße 4 von Uelzen nach Lüneburg. Der Ort Bienenbüttel ist an der Ilmenau mit ihren zahlreichen Zuflüssen, wie Mühlenbach, Vierenbach und Krummbach entstanden. Der Wasserreichtum ließ Teichanlagen für die Fischzucht und den Betrieb von Mühlen zu. Das Ilmenautal geht allmählich in eine sanfte Moränenlandschaft über.
Bienenbüttel hat im Kern ein durchweg geschlossenes Ortsbild, das sich im wesentlichen um die Kirche und die Bahnhofstraße bis zum Bahnhof entwickelte. Den alten Ortskern teilt der Mühlenbach. Östlich des Mühlenbaches befinden sich die Michaeliskirche mit Pfarrhaus und Küsterei (heute Pastorenwohnsitz) sowie Vogtei und Schule.
Nach Westen entwickelte sich, insbesondere ausgelöst durch den Bahnbau, ein neuer Ortsteil mit Handwerk, Handel und Gewerbe. Zwischen Schule und Bahntrasse befindet sich die Mühlenanlage der Familie Wagener mit großräumigem Stauteich und Wehr. Die Mühle ist nicht mehr in Betrieb, sie wird wohnwirtschaftlich genutzt, teilweise auch im Bereich der touristischen Vermietung. Bis zum Jahre 1821 gehörte die Mühle zum umfangreichen Grundbesitz der Familie von Harling.
Neben dieser Mühle gab es noch eine weitere am Vierenbach, die erstmals 1562 urkundlich erwähnt wurde. Nach dem Erstbesitzer David Findorf erhielt sie den Namen Findorfsmühle. Sie wechselte mehrfach ihre Besitzer, bis im Jahre 1915 der Müllermeister Schaper sie erwarb. Sie ist noch heute im Familienbesitz. Der Mühlenbetrieb wurde vor ca. 30 Jahren eingestellt. Es wurde ein neues Wohnhaus errichtet und die alten Gebäude dienen als Stallungen für Vieh und Reitpferde.
Bedingt durch das starke Anwachsen der Bevölkerung nach 1945 entstanden zahlreiche Wohnsiedlungen, wie z. B. am Küsterberg, an der Hohnstorfer Straße, Wilhelmshöhe und in der Heinrichstraße. In späteren Jahren wurde diese Bautätigkeit in Form geschlossener Siedlungen wegen des starken Zuzugs und des großen Interesses Bauwilliger fortgeführt mit neuen Wohngebieten am Vierenbachsweg, Kräutergarten, Pastorenkoppel und Eitzer Kirchsteig sowie am Paschberg. Bienenbüttel war schon immer Mittelpunkt für die umliegenden Ortschaften, auch als diese noch selbständig waren. Ein umfangreiches Angebot im Bereich des Handels, der Dienstleistungen, der ärztlichen Versorgung sowie die seit 1847 bestehende Bahnstation mit den Verladeeinrichtungen für landwirtschaftliche Produkte trugen hierzu bei.
Auf dem ehemaligen Geschäftsgrundstück der Familie Rademacher wurde 2001 ein neues Verwaltungszentrum mit Rathaus, Bücherei und großzügigem Marktplatz errichtet. Die gesamte Anlage ist prägend für das Bienenbütteler Ortsbild.
Zahlreiche prähistorische Siedlungs- und Gräberfunde im Raum Bienenbüttel sowie die geografisch günstige Lage an der Ilmenau lassen auf eine frühe Besiedlung schließen. Es liegt nahe anzunehmen, dass die an dem Ilmenauübergang im Winkel zwischen Ilmenau und Mühlenbach errichtete Anlage der Ursprung Bienenbüttels war; Ausgrabungen aus dem Jahre 1966 deuten darauf hin. Teile des Billunger Erbes in der Umgebung Bienenbüttels fielen 1147 an Heinrich den Löwen. In der Folgezeit gehörten diese und andere Ortschaften zur Vogtei Bienenbüttel. Die Vogtei wurde 1795 aufgelöst und dem Amt Medingen eingegliedert. Der Vogteihof besteht heute noch. Es handelt sich um das wunderschöne Anwesen Gasthaus Moritz/Behrens, das teilweise in Fachwerk erbaut ist und im Giebel die Jahreszahl 1659 trägt.
Die Gesamtfläche Bienenbüttels beträgt rd. 400 ha, wovon ca. 150 ha landwirtschaftlich genutzt werden.
War der Ort in der Vergangenheit stark landwirtschaftlich geprägt, so hat sich hier ein rigoroser Wandel vollzogen. Nach dem Rezess von 1830 gab es in Bienenbüttel zwei Vollhöfe, vier Halbhöfe, fünf Viertelhöfe, fünf Anbauer, vier Abbauer, den Vogteihof sowie das Harling’sche Gut.
Im Jahre 1971 gab es am Ort nur noch acht landwirtschaftliche Betriebe, 1987 nur noch vier und heute besteht nur noch ein Vollerwerbsbetrieb.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden neue Märkte erschlossen, was dem Bau der Eisenbahn von Hannover nach Harburg zu verdanken war. In Uelzen wurde die Zuckerfabrik gegründet. Im landwirtschaftlichen Umfeld von Bienenbüttel erfolgte 1898 die Gründung der Spar- und Darlehnskasse (heute Volksbank), 1906 wurde die Molkereigenossenschaft ins Leben gerufen, 1914 entstand in der heutigen Schützenallee (RWG-Tankstelle) eine Kartoffelflockenfabrik, 1924 wurde die Zweigstelle der Kreissparkasse eröffnet und 1925 die Saatbau Bezugs- und Absatzgenossenschaft mit Erweiterungsbauten im Jahre 1937 sowie 1961 Bau des Siloturms.
1955 wurde unter Federführung des Landwirtschaftlichen Vereins eine Rübenverlade-Genossenschaft gegründet. 1966 schlossen sich die Landwirte des Nordkreises zu einem Maschinenring zusammen, 1967 wurde die Brennerei-Genossenschaft in Wichmannsburg in Betrieb genommen. Sämtliche Einrichtungen stehen in direktem Bezug zur Landwirtschaft. Die größte Zahl dieser Einrichtungen und Betriebe gibt es heute nicht mehr.
Zwischen der Bahnlinie und der Bundesstraße 4 in Richtung Uelzen ist ein Gewerbegebiet entstanden, in dem sich unterschiedliche Betriebe angesiedelt haben.
Die wachsende Einwohnerzahl erforderte eine leistungsstarke Verwaltung. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Ort zum ländlichen Verwaltungszentrum. Nachdem 1966 der erste Schritt zur Samtgemeinde getan war, folgte 1972 im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform die Bildung der Gemeinde mit 14 zugeordneten Ortsteilen und zentraler Verwaltung in Bienenbüttel.






